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Ich wachte wieder auf und konnte zunächst nicht zuordnen, wo ich war. Dann fiel es mir wieder ein und ich drehte mich um, aber Bill war nicht da. Ich stand auf und wankte noch total verschlafen ins Bad, wo Bill gerade aus der Dusche kam “Na da komm ich ja gerade richtig” sagte ich grinsend. Auf einmal fühlte ich mich gar nicht mehr so müde, wie noch auf dem Weg ins Bad. Ich wollte ihn gerade in die Dusche zurückschieben, als es and er Tür klopfte und hämmerte. “Aufstehen! In einer viertel Stunde Frühstück!” Na super, dann musste ich wohl alleine in die Dusche, um noch rechtzeitig fertig zu werden. Eigentlich schade. “Das holen wir aber nach!”
Natürlich wurden wir trotzdem nicht rechtzeitig fertig. Mit fünf Minuten Verspätung kamen wir unten an, doch das schien niemanden zu stören. Der Saal war noch ziemlich leer, wahrscheinlich musste hier niemand so früh aufstehen. Es war gerade mal halb neun. Wir holten unser Frühstück, dann sagte uns David, was heute so auf dem Programm stand. Die Jungs sollten sich zunächst in der Stadt zeigen, danach zu einem Radiosender ein Liveinterview geben. Gegen drei dann eine halbe Stunde öffentliches Interview in einem Kaufhaus und danach schnell zur Probe in die Halle. Wow, das war ja echt ein ganz schöner Stress, dachte ich. Aber die Jungs nahmen es ziemlich gelassen, war wohl doch nichts besonderes.

Dann sah der Produzent mich an und fragte: “Und als wer willst du auftreten?” Auftreten … ich? Wie meinte er denn das jetzt? Ich wollte doch nicht auftreten, als gar niemand. Ich schaute ihn verwirrt an. “Na soll Bill dich als seine Freundin der Welt vorstellen oder tust du einfach so, als seist du ein weibliches Mitglied im Team um die Band?” Jetzt wusste ich nicht was ich sagen sollte, ich hatte nicht darüber nachgedacht, nicht mal dran gedacht. Ich wusste nicht, was ich wollte. Aber alle anderen sahen mich fragend an. Ich sah zu Bill, der mit den Schultern zuckte. Dann sagte ich: “Eigentlich will ich nicht in der Öffentlichkeit stehen, das vor drei Wochen war schon genug. Irgendwann wird es ja so oder so rauskommen, aber erst mal nicht. Ist das ok?!” fragte ich noch. “Ja klar”, sagte Bill. “Wollen aber nicht ausschließen, dass du erkannt wirst. Das könnte gut passieren. Die Bilder haben ja ne weite Runde gemacht.” Jetzt redete wieder der Manager. “Stimmt. Aber das ist eben das Risiko. Aber jetzt weiter. Was machen wir mit der Freundinnen-Frage?” War schon wieder ich gefragt? Ich zuckte mit den Schultern und sah wieder Hilfe suchend zu Bill, der meinte: “Klar sag ich, dass ich eine hab! Aber eben auch das sie nicht in der Öffentlichkeit stehen will.” Ich gab ihm einen dankbaren Kuss. Das war eine gute Lösung, ganz ohne zu Lügen, obwohl… “Wenn Bill das sagt, eben dass er eine Freundin hat, werden dann nicht gleich alle an mich denken?” “Das kann allerdings gut sein”, sagte Bill. “Aber du hast ja selber gerade gesagt, irgendwann kommt es eh raus. Wir müssen halt hoffen, dass sie das respektieren, dass du nicht in der Öffentlichkeit stehen willst. Das heißt aber nicht, dass die Reporter nich in deinem Leben rumkruschen werden. Gibt es jetzt an dieser Stelle etwas, dass du uns sagen willst?” “Hey!” rief ich und zwickte ihm in die Seite. Aber ok. "Nein nicht das ich wüsste … obwohl, es gab mal einen klitzekleinen Zwischenfall…” Peinlich berührt schaute ich in die Runde. Jetzt hing jeder an meinen Lippen, jeder vergaß es, weiter zu essen. “Jetzt red schon!” wollten sie wissen. “Naja ich war mal in einem ollen Schandblatt abgebildet, war ne echt peinliche unangenehme Situation für mich. Is jetzt ungefähr drei Wochen her…” Alle lachten. “Gut”, sagte wieder der Manager. “Da das jetzt geklärt ist, wollen wir mal hoffen, dass nichts schlimmeres passiert. So Jungs, und junge Dame“, fügte er hinzu, “beeilt euch mal, wir sollten in spätestens einer viertel Stunde losfahren.”

Nachdem wir fertig gegessen hatten, gingen wir jeder wieder in Bills Zimmer. Ich hatte mich recht schnell fertig gerichtet, aber Bill brauchte noch eine Weile, um noch mal alles zu checken. “Sag mal, das mit den Terminen, ist das normal?” “Kommt auf unsere Konzerte an. Wenn die so sind, wie jetzt gerade, dass wir einen ganzen Tag an dem Ort haben, dann ist das heute so Durchschnitt.” “Oh man krass. Ich könnte das nicht!” “Du tust es gerade.” “Ja, aber ich muss nicht perfekt aussehen und allen Rede und Antwort stehen. Ich bin einfach nur dabei.” “Ja, aber mit dir ist es viel schöner!” Das war echt süß. Ich stand auf und ging zu ihm hin und umarmte ihn. Dann schaute ich ihm in die schönen Augen. “Ist das auch ok mit meiner Entscheidung?” “Ja klar, ich kann das verstehen, das haben wir bei Gustav ja genauso gemacht damals. Trotzdem würde ich es gern in die Welt schreien und ihr die Person zeigen, die ich liebe!” “Liebst?” “Ja, Ann. Ich liebe dich!” “Ich liebe dich auch!”
Wir wollten uns küssen, doch just in dem Moment rief Tom von draußen. “Hey ihr Turteltäubchen beeilt euch mal. David wird schon nervös!” Bill antwortete ihm: “Ich brauch noch kurz, bin noch nicht fertig!” “Gut, aber beeil dich! Ann, wenn du schon fertig bist komm raus. David will noch was von dir.” Ich drückte Bill einen schnellen Kuss auf die Wange, dann ging ich raus zu Tom und mit ihm zusammen runter in die Eingangshalle des Hotels. Ich ging zu David hin. “Du fährst bei mir im Auto mit, die Jungs müssen später geschlossen, aber vor allem alleine aus dem Bus kommen, wenn keine Gerüchte aufkommen sollen. Wenn dich jemand fragt, du bist meine Nichte, die mich in ihren Ferien begleiten darf. Ich hoffe, du hast dich oben schon von Bill verabschiedet. Ihr dürft euch jetzt eine Weile nicht mehr so sehen, wie ihr es sicher gerne würdet. Erst wieder heute Nachmittag in der Halle. Wir gehen jetzt zum Auto und fahren vor.” David zog mich mit sich mit. An der Tür nach draußen sah ich mich noch einmal traurig um. Da war Bill, der gerade die Treppe runterkam und mir nach wollte. Doch Tom hielt ihn zurück und redete auf ihn ein. Ich konnte noch sehen, wie sich Bills Gesicht verdunkelte, dann war ich weg.
Während der Fahrt in die Stadtmitte sah ich mir aus dem Fenster die Gegend an. Ich war zwar traurig schon wieder von Bill getrennt zu sein, wusste allerdings auch, das David das Richtige tat, um mich zu schützen. Oder eben meine Privatsphäre. Und ich war ihm schon auch dankbar deswegen. Trotzdem, bis heute Abend war noch lange.
Schließlich waren wir da. Bevor wir ausstiegen, sagte David mir noch: ”Keinen überflüssigen oder unangebrachten Augenkontakt mit Bill, nur den eines Fans, ok? Ich werde das auch Bill sagen, wenn er da ist.” Ich nickte. Endlich konnte ich raus und mich umsehen. Wir waren auf einem großen Marktplatz, der von kleinen Läden, Cafés und Restaurants umsäumt war. Es war nicht gerade viel los, aber das würde sich sicher im Laufe des Tages noch ändern. Ich schlenderte eine viertel Stunde an den Geschäften entlang, als der Bus mit Bill und den anderen vorfuhr. Auf dem Platz war es in dieser kurzen Zeit schon um einiges voller geworden. Es war jetzt kurz nach zehn. Es dauerte eine Weile, bis die Jungs erkannt wurden, aber dann wurden sie richtig gehend belagert. Ein Autogramm hier, ein Foto da, ein Küsschen dort. Ich setzte mich in eines der Straßencafés, das eben geöffnet hatte und beobachtete das Geschehen. Verrückt wie diese Girls sich da gaben. Es gab auch einige, die an dem größer werdenden Pulk einfach vorbeiliefen, die einen taten so, als wär da nichts, andere, hauptsächlich Erwachsene, blieben kurz stehen um nachzusehen, wer da so von den jungen Mädchen umringt wurde und kratzten sich dann am Kopf, als überlegten sie, wer das da war. Manchen von denen fiel es dann ein und sie gingen hin um auch für ihre Kinder ein Autogramm zu ergattern, andere schüttelten einfach nur den Kopf.
Irgendwie war es witzig die ganzen Leute zu beobachten, wenngleich es mir auch nicht sonderlich gefiel, wenn eines der jungen Dinger an Bill rumgrabschte, wenn er ihr nicht genügend Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Außerdem hatte ich sowieso viel zu wenig Blick auf ihn, so umringt, wie er war. Nur ganz selten konnte ich durch einen Spalt hindurchsehen, zu ihm. Ich wusste nicht mal sicher, ob er schon gesehen hatte, wo ich saß. Bill so nah zu sein und doch nicht war blöd. Ich brauchte eine Pause, also beschloss ich mich in die Toilette des Cafés zurückzuziehen, wo ich mich vor den Spiegel stellte. Eifersucht stand mir gar nicht und ich wollte es auch gar nicht. Ich wollte nur das Bill bei mir war. “Hey!” hörte ich ein Geräusch von der Türe.

Da stand er. “Was machst du denn hier?” “Sscchhhh”, machte er und drückte mich gegen die Wand. “Wir haben nur zwei, drei Minuten!” Er küsste mich. Ich war so froh, wollte, dass es nie endete. Viel zu bald klopfte es wieder an der Türe. Es war Filip, einer der Bodyguards der Band. “Wir müssen jetzt wieder. Deine Freundin soll noch fünf Minuten warten”, Bill gab mir noch einen letzen Kuss, dann machte er sich auf den Weg nach draußen, aber ich wollte seine Hand nicht loslassen. Sanft machte er sich los, lächelte mir noch einmal total lieb zu, dann ging er durch die Türe. Draußen hörte ich ihn sagen: “Und sie heißt Ann, bitteschön!”
Ich drehte mich wieder dem Spiegel zu. Ja, so gefiel ich mir schon viel besser. Nach fünf Minuten verließ auch ich die Toilette und setzte mich an meinen Platz zurück. Bill stand wieder bei den andere, als sei nichts gewesen, doch schien es mir, als würde David mir einen misstrauischen Blick zuwerfen. Ahnte er etwas? Aber das war mir im Moment egal. Das war es auf jeden Fall wert gewesen.
Für die Jungs war es jetzt an der Zeit weiterzufahren, zum Radiosender. Ich ging zu dem Wagen, in dem ich schon mit David hergekommen war und setzte mich rein. Als das Auto losfuhr, sah David mich an und sagte: “Guter Plan!” Ich antwortete “Was?” Ich hatte eben etwas vor mich hingeträumt. “Ach so, das. Das war nicht geplant gewesen, jedenfalls nicht von meiner Seite aus.” “Aha”, sagte er ungläubig. “So wird das aber nichts mit dem Geheimhalten. Ihr zwei solltet euch etwas zurückhalten.” “Aber - “ warf ich ein. “Ich weiß, es ist sicher schwer für euch, vor allem weil ihr euch jetzt zum ersten Mal richtig habt. Aber denk an das, was du selbst heute Morgen noch gesagt hast. Das ist Privatsache und nicht die der Öffentlichkeit.” “Ja ok”, sagte ich kleinlaut. Ich wusste ja, dass er Recht hatte.

Die Sache mit dem Radio-Interview war wohl angesagt gewesen, denn vor dem Sender warteten dutzende von Fans, die kreischten und Plakate hielten. Wir fuhren an ihnen vorbei, aber die Band stieg vorne aus um Autogramme zu geben. “Es werden noch Karten für heute Abend verlost, genauso wie später im Kaufhaus, deswegen stehn die da alle”, erklärte mir David, als wir rein gingen und warteten. “Die Jungs werden hier erstmal auf das Interview, die Fragen eben vorbereitet, dann haben sie eine kurze Pause, in der sie ALLEINE in eine Art Ruheraum gebracht werden. Und dann gehen sie auf Sendung, im Nachmittagsprogramm.”
E dauerte ewig bis sie sich durch die Massen von Autogrammjägern gekämpft hatten. Dann passierte alles so, wie David es mir eben gesagt hatte. Sie gingen in den so genannten Vorbereitungsraum. David achtete genau darauf, dass Bill und ich uns nicht zu nahe kamen. Er setzte uns soweit wie möglich voneinander weg, aber an die selbe Tischseite, dass wir auch keinen Augenkontakt aufnehmen konnten. Mir war leicht säuerlich zumute und langweilig war mir auch. Dann wurde die Band in Ihren ’Speziellen Raum’ gebracht und David erlaubte mir, etwas auf den Gängen herum zu streifen. Ich hatte nicht vor nach dem Raum zu suchen, denn ich befürchtete nachher nicht mehr mit zu dürfen, wenn ich es tat, trotzdem schärfte David es mir noch einmal ein. Die Gänge waren nicht sonderlich interessant, überall hingen Sachen, die etwas mit dem Sender zu tun hatten, was er schon alles Tolles geleistet hatte und solche Sachen eben. Einmal lief mir jemand über den Weg, der sofort misstrauisch fragte, wer ich sei und was ich hier mache. Ich antwortete brav, wie er es mir gesagt hatte “Ich bin die Nichte von David, dem Manager von Tokio Hotel und darf ihn während meiner Ferien begleiten, als eine Art Praktikum.” “Ach ja gut, dann weiß ich Bescheid. Hatte schon gedacht du seist einer dieser ausgeflippten Fans von draußen, der sich eingeschlichen hat. Viel Spaß noch!” Schließlich ging er weiter und ich war wieder alleine. Ich schlenderte weiter den Gang entlang, als ich plötzlich ein Geräusch hinter mir hörte.