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Es war der erste Abend unseres sieben tägigen Ausflugs nach Berlin. Nach einem Tag Zugfahrt wollte ich abends eigentlich nur noch in mein Bett fallen und schlafen. Aber die anderen aus meiner Gruppe meinten, diese neue Freiheit müsse gefeiert werden, denn wir konnten abends hingehen und heimkommen, wohin und wie wir wollten, solange wir nur morgens für das kleine Touriprogramm auf der Matte standen.
Da ich nun also nicht alleine in der großen Ferienwohnung bleiben wollte, die wir gemietet hatten, packte ich mir eines meiner mitgebrachten Bücher ein und folgte den anderen in den, wie sie meinten, angesagtesten Club von ganz Berlin. Wir setzten uns alle zusammen in eine große Nische und bestellten. Ich blieb bei Wasser, während die anderen alle etwas prozenthaltigeres brauchten. Die anderen wurden dann auch bald vom Tanzfieber gepackt und so blieb ich allein mit meinem Getränk und meinem Buch in unserer Sitznische zurück. Am liebsten hätte ich ja auch noch meinen MP3-Player rausgeholt um meine Lieblingsband zu hören, doch das ließ ich dann lieber.
Ich war in meinem Buch gerade einen spannenden Absatz weiter gekommen, als ich plötzlich ganz nah neben meinem Ohr eine Stimme hörte: “Hey du! Würdest du nicht viel lieber mit mir tanzen als dieses olle Buch zu lesen?” Ich wollte gerade antworten das dies kein olles Buch sei, sondern bestimmt tausendmal interessanter als der Typ, als der Klang seiner Stimme etwas in mir aufmerken lies. Ich kannte diese Stimme. Langsam und vorsichtig blickte ich auf…und sah mitten in das breit grinsende Gesicht von Tom Kaulitz. Ich merkte, wie mir das Blut in die Wangen schoss. Tom grinste weiter und streckte mir einladend seine Hand entgegen. Ich nahm sie langsam und erhob mich wie in Trance von meinem Platz, wollte mich gerade Richtung Tanzfläche bewegen, als mich Tom sanft zurückhielt und seine Hand meinem Gesicht näherte. Genauer gesagt meinem Kinn, das er dann sanft nach oben drückte. Ich hatte durch den Schock, ihn plötzlich vor mir zu haben, gar nicht bemerkt, dass ich meinen Mund Sperrangelweit aufstehen hatte. Er nahm mir noch mein Buch aus der Hand, auch das hatte ich völlig vergessen, legte es an meinen Platz und führte mich schließlich zur Tanzfläche.
Erst hier begriff ich, nach einigen Tanzschritten, was gerade geschehen war. Tom, der Gitarrist der besten deutschen Band, die es jemals gegeben hatte, hatte mich - gerade mich - zum tanzen aufgefordert. Ich wünschte mir ja schon bereits seit einem dreiviertel Jahr, seit Beginn ihrer Karriere ein Treffen mit dieser Band.
Während Tom sich mir mit langsamen Tanzschritten annäherte, kamen in meinen Gedanken die ersten Fragen auf: Warum ich? Warum hat Tom gerade mich unter den hunderten von Mädchen aufgefordert, die jetzt neidisch um uns herumstanden und sich wohl genau dieselbe Frage stellten: Warum die? Ich hatte ja nun mal gar nichts besonderes getan, dass ihn hätte auf mich aufmerksam machen können. Nicht mal besonders angezogen hatte ich mich, geschweige denn, in sonst einer Weise aufgetakelt. Oder war es genau aus diesem Grund gewesen? Weil er mich selber gefunden hatte, so wie ich war, und nicht ich ihn?
Plötzlich schreckte ich aus meinen Gedanken auf. Irgendetwas hatte sich verändert und mir wurde auch sofort klar, was es war. Die Musik war ruhiger geworden und Tom hatte seine Arme um meine Hüfte geschlungen und wiegte mich nun sanft im Takt. Ich ging auf die Umarmung ein und mir wurde plötzlich klar, dass Tom gar nicht so war, wie auf den vermeintlichen Bildern einer bestimmten Party vor einiger Zeit. Schließlich verlor ich mich, im sanften Schwingen des Taktes ganz in seinen Armen.
Als der Track zu Ende war…oder waren es zwei, drei oder gar zehn gewesen…führte mich Tom in Richtung meiner Nische. Doch er blieb vor der einen davor stehen. Ich wollte ihn gerade weiterdrängeln, als ich bemerkte, vor welcher Sitzecke wir angehalten hatten…

Bill, Gustav und Georg, die anderen Mitglieder der Band, grinsten Tom und mir entgegen. Georg fragte Tom gerade, wer denn sein neuster Fang sei, doch davon bekam ich gar nichts mit. Mein Blick war in Bills rehbraunen Augen gefangen. Sie sahen so tiefgründig, einsam und doch so wunderschön aus. Als Bill plötzlich blinzelte, wurde mir bewusst, wie dumm ich ihn eben angestarrt haben musste und sagte schnell, meine Hand aussteckend. “I-ich heiße Ann-Kathrin, aber ich bevorzuge Ann *blödgrins* hi…schön euch alle mal kennen zu lernen *noch blöder grins*”
Als ich allen reihum die Hand geschüttelt hatte und mich nach dreimaliger Aufforderung zwischen Bill und Tom gesetzt hatte, bemerkte ich erst, dass sich, zwar in sicherer Entfernung, aber dennoch, eine Traube von Mädchen in der Nähe des Tisches versammelt hatte.
Ich war gerade dabei, den Jungs meine Bewunderung über ihre phänomenale Leistung auszusprechen, als plötzlich eine kleine Gruppe giggelnder Mädchen vor dem Tisch auftauchte und knallrot werdend hervorstieß: “Bill und Tom wir lieben euch!” Die Jungs setzten ihr süßestes Lächeln auf, das die Mädchen wohl falsch verstanden. Sie wollten sich gerade dazu af die Bank drängeln, als ein Aufpasser herbeieilte und sie mit sanfter Gewalt fortführte. Auch mich wollte er aus der kuscheligen Mitte der Twins zerren, als Bill augenzwinkernd meinte, dass ich heute ihr Gast sei. Was mich ansich schon freute, aber noch mehr freute es mich, dass gerade er, Bill, es sagte. Ich warf ihm eine glücklichen Blick zu, den er aber wahrscheinlich nicht gesehen hatte, da gerade ein Kellner herbeieilte um unsere Bestellungen entgegenzunehmen. Eigentlich wollte ich mit ein weiteres Wasser bestellen. Doch überlegte ich es mir aufgrund meiner Gesellschaft anders und bestellte genau das Selbe, was sie auch nahmen.
Die Stimmung an unserem Tisch war wohl die ausgelassenste im ganzen Club, aber es scherte uns nicht, dass immer wieder genervte Blicke von den anderen Tischen zu uns rüberkamen. Sie erzählten mir von ihrer Tour und den Pannen in einer so komischen Weise, dass ich aus dem Lachen gar nicht mehr rauskam.
Ich war schon extrem berauscht, was weniger von den Getränken, als wohl eher an dem schönen Abend lag, als ich beide, Bill und Tom, auf die Tanzfläche schleifte. Hier feierten immer noch meine Freundinnen, mit denen ich hergekommen war, die ich aber wegen dem ganzen Wirbel mit der Band total vergessen hatte. Sie schauten mich an, als sei ich von allen guten Geistern verlassen hier mit gleich mit zwei Boys abzutanzen, die auch noch so aufgestylt waren. Dazu sei gesagt, dass sie absolut nichts von meiner Lieblingsband hielten. Ich war ihnen offensichtlich peinlich. Aber das war mir in diesem Moment egal, denn ich tanzte gerade zwischen Bill und Tom, den wohl süßesten Jungs im ganzen Universum.
Tom wurde es aber anscheinend bald langweilig mich mit seinem Bruder zu teilen und so orientierte er sich anderweitig an den Massen von Girls, die noch so rumstanden, wie bestellt und nicht abgeholt.
Dort alleine mit Bill zu tanzen war wohl das geilste überhaupt. Ich fixierte Bill mit einem leidenschaftlichen Blick, der zu meiner Überraschung liebevoll erwidert wurde. Als der DJ plötzlich sanfte Töne anschlug, erstarrte ich peinlich berührt. Mein Blick streifte den von Bill, der genauso starr da stand, wie ich. Langsam, mit einem unsicheren lächeln, näherte ich mich Bill an und legte meine Arme auf seine Schultern, während er vorsichtig meine Hüften umschlang. Nach zwei Schritten, den Kopf hatte ich auf Bills Schultern gelegt, vergaß ich die Welt um mich herum.